12.04.2026
Kufstein

Premiere: „Warten auf Godot“ am Stadttheater Kufstein

Unter einem Baum, der zwanzig Jahre wartet

Am 11. April feierte „Warten auf Godot“ eine bemerkenswerte Premiere im Kultur Quartier Kufstein. Klaus Reitberger kehrt zu Samuel Beckett zurück und damit zu einem Stück seiner eigenen Theatergeschichte. Wer diesen besonderen Abend erleben will, sollte schnell sein: Das Stück wird nur sechs Mal gespielt – und dann, wenn das Versprechen hält, erst wieder in zwanzig Jahren.
    Die Hardfacts im Überblick
  • Samuel Becketts „Warten auf Godot“ feierte am 11. April 2026 Premiere.
  • Gespielt wird im Kultur Quartier Kufstein an insgesamt sechs Terminen.
  • Die Produktion ist eine Inszenierung des Stadttheaters Kufstein.
  • Regie führt Klaus Reitberger wie schon bei der Inszenierung im Jahr 2006.
  • Reitberger kehrt damit zu einem prägenden Stück seiner Theatergeschichte zurück. In zwanzig Jahren hat er insgesamt 21 Stücke auf die Bühne gebracht.
  • Klaus Reitberger steht auch selbst als Wladimir auf der Bühne.
  • An seiner Seite sind Franz Osl (Estragon), Martin Heis (Pozzo) und Elia Ritter (Lucky) zu sehen.
  • Weitere Termine: 17. April, 19. April, 30. April, 2. Mai und 8. Mai
  • Karten sind auf www.stadttheater-kufstein.at sowie bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein erhältlich.

Der Theaterabend beginnt mit einem Blick zurück auf zwanzig Jahre Stadttheater Kufstein – erzählt am Beispiel des Regisseurs Klaus Reitberger. 21 Inszenierungen in 20 Jahren hat er in den Knochen und wenn er nun als arg geplagter Landstreicher auf der Bühne steht, wird klar: Dieser Abend ist mehr als eine weitere Premiere. Es ist eine Rückschau, Selbstvergewisserung und ein Versprechen auf Fortsetzung. Wir kehren zurück. Wir warten endlich wieder auf Godot.

Landstraße. Ein Baum. Abend.

In der Mitte der Bühne erhebt sich derselbe Baum, der schon vor zwanzig Jahren im Kulturhaus Kufstein stand. Mit ihm treten zwei Figuren in den Raum, die zugleich konkret und zeitlos wirken: zwei Wartende, zwei Gestrandete, zwei Menschen am Rand. Wer sind sie – Wanderer, Landstreicher, Wohnungslose? Woher kommen sie, wohin gehen sie? Beckett gibt keine Antwort. Genau darin liegt die Kraft des Stücks. Denn Wladimir und Estragon sind dem Lebensgefühl der Gegenwart näher, als man einem Text aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zutrauen würde: Ihr Zustand ist hochaktuell – Warten, Nichtwissen, das Aushalten einer Zukunft, die sich nicht zeigt. Schon früh taucht die Frage nach dem Aufhängen auf. Der Ast wird geprüft, das Aufgeben kurz als Ausweg aufgerufen. Doch die beiden entscheiden sich dagegen. Gegen das Aufgeben. Sie entscheiden sich – wenn auch tastend, weniger heroisch – für das Leben.

Nichts und Niemand aushalten

„Warten auf Godot“ entstand unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Erfahrungen von Flucht, Widerstand und Zerstörung. Es reagiert auf eine Welt, in der alte Sinnsysteme brüchig geworden sind. Beckett bricht radikal mit den Formen des traditionellen Theaters und schafft damit ein Schlüsselwerk der literarischen Moderne. „Es geschieht nichts, keiner kommt, keiner geht“ – dieser zentrale Satz beschreibt zugleich sein Prinzip.

Klaus Reitberger spielt Wladimir mit großer Hingabe. Er ist sprachverliebt wie immer, vor allem aber stimmt der Ausdruck in jedem Moment. Reitberger hat das Stück durchdrungen und kann deshalb mit seinen vielen Bedeutungsebenen spielen. Franz Osl gibt Estragon mit einer berührenden Mischung aus Einfachheit und Offenheit. Immer wieder scheint ein neuer Blick aus ihm heraus auf die Welt zu fallen. Gerade darin gewinnt die Figur Tiefe.

Zwischen Befehl und Bleiben

Wenn Pozzo und Lucky auftreten, verschiebt sich die Energie des Abends spürbar. In der ersten Kufsteiner Godot-Inszenierung wurde die Rolle vom mittlerweile verstorbenen Richard Dolar gespielt, einem ganz Großen des Stadttheaters Kufstein. Martin Heis legt den Pozzo ähnlich und doch anders an – zackig, hart, streng. Seine Körperspannung reicht bis in die letzte Faser, seine Sprache ist präzise, seine Härte nie beliebig. In dieser Präzision liegt seine Kraft.

Daneben Lucky, gespielt von Elia Ritter, der den stärksten körperlichen Eindruck des Abends hinterlässt. Er sabbert, schäumt, scheint an sich selbst zu zerren, die Augen quellen ihm aus dem Kopf. Ritter spielt diese Figur wunderbar durchlässig und mit vollem Körpereinsatz. In seinem Monolog tanzt und stürzt er zugleich durch die Sprache, als ginge es wirklich um Leben und Tod.

Ein Versprechen auf Fortsetzung

Klaus Reitberger kehrt mit „Warten auf Godot“ nicht nur zu einem großen Theatertext zurück, sondern auch zu einem wichtigen Teil seiner eigenen Geschichte in Kufstein. Diese Inszenierung vertraut auf den Text, auf das Spiel und auf die Kraft der Reduktion. Sie nimmt sich Zeit, fordert Geduld und belohnt sie mit einem Abend, der Raum lässt für Gedanken und leise Zweifel.

Und vielleicht liegt darin auch die schönste Perspektive dieses Abends: die Hoffnung auf weitere 20 Jahre. Reitberger hat bereits in Aussicht gestellt, das Stück in 20 Jahren wieder aufzuführen. Man würde es diesem Baum, diesem Regisseur und diesem Stoff wünschen.

Wer sich auf Becketts große Fragen einlassen möchte, hat dazu am 17. April, 19. April, 30. April, 2. Mai und 8. Mai Gelegenheit. Karten sind auf www.stadttheater-kufstein.at sowie bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein erhältlich.

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