23.03.2025
Kufstein

„Meine Tochter wird Vater“ am Stadttheater Kufstein

Eine rasante Komödie über Regenbogenfamilien und Rollenbilder

Der neueste Clou am Stadttheater Kufstein: Die Komödie „Meine Tochter wird Vater“, inszeniert von Brigitte Einkemmer, bringt Bäuche zum Beben und Herzen zum Vibrieren. Bereits mit der Auswahl des Stücks beweist die Regisseurin Courage, setzt ein klares Zeichen für mehr Toleranz und ein respektvolles Miteinander – und bringt das alles so charmant auf die Bühne, dass man dem Ensemble nur gratulieren kann. Am 22. März wurde die Premiere mit großem Jubel gefeiert.
    Die Hardfacts im Überblick
  • Stück: "Meine Tochter wird Vater" von João Bethencourt
  • Genre: Komödie über Regenbogenfamilien, Rollenbilder und Toleranz
  • Premiere: 22. März 2025, weitere Vorstellungen am 28.03. / 30.03. / 02.04. / 06.04. / 11.04.
  • Mit Bianca Heim, Barbara Gröters, Herbert Oberhofer, Magdalena Laiminger, Max Werlberger, Michael Koch und Martin Sieberer.
  • Produktionsleitung & Regie: Brigitte Einkemmer

Voller Vorurteile die Mutter. Voller Fehlannahmen der Vater. „Ihr müsst euch damit auseinandersetzen“, fordert Miriam Feldmann ihre Mutter Sarah auf – und direkt über ihren Kopf hinweg auch das Publikum. Schon die erste Szene ist ein rasanter Streifzug durch queere Lebensrealitäten, alles wird anschaulich und mit feinem Humor vermittelt. Man möchte meinen, das Verständnis für die LGBTQ+ Community sei längst selbstverständlich – doch angesichts der weltweit wachsenden Intoleranz scheint es nötiger denn je, dieses Thema immer wieder aufzugreifen.

Aufklärung mit Augenzwinkern

Miriam liebt Emily, Emily ist schwanger, Samenspender Ralph ist längst ein enger Freund der Familie geworden. Doch wie erklärt man einem konservativen Vater diese Lebensrealität, wenn er sie partout nicht sehen will – ja sogar als Bedrohung für seine „kleine Welt“ empfindet? Die eingeweihte Mutter Sarah – großartig gespielt von der Grand-Dame des Stadttheaters Kufstein, Barbara Gröters – bringt es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen. Und so nimmt das Versteckspiel seinen Lauf: Vater Abraham, verkörpert von einem punktgenauen und brillant parlierendem Herbert Oberhofer, bleibt im Unklaren – zum großen Vergnügen des Publikums, das sich an den folgenden turbulenten Szenen erfreuen darf.

 

Konflikt trifft Komik

Die feinfühlig inszenierte, erste Regiearbeit von Brigitte Einkemmer gerät zum gelungenen Verwirrspiel: Mit hoher Präzision und viel Gespür für Timing hat sie mit den Darsteller:innen pointierte, unterhaltsame – kurzum: großartige – Szenen entwickelt, sodass die zweimal 45 Minuten wie im Flug vergehen. Bianca Heim spielt Miriam unaufgeregt und authentisch – so einfühlsam, dass man mitfühlt und nachvollziehen kann, wie ihre Liebe zum Affront für die eigene Familie wird. Ebenfalls überzeugend: Magdalena Laiminger als Emily – präsent, klar und auf den Punkt. Max Werlberger verleiht Samenspender Ralph eine sympathisch-stolze Note, Michael Koch glänzt als energiegeladener und herrlich komischer „anderer Großvater“.

Der Rabbi und das Ritual

Zum Schluss wirbelt Martin Sieberer als Rabbi Meyer noch einmal alles durcheinander: Höhepunkt soll die Briss werden, die Beschneidungsfeier des kleinen Abraham. Der frischgebackene Großvater schwebt auf Wolke sieben – im festen Glauben, sein Wunsch nach einem „normalen“ Enkelkind sei endlich erfüllt. Dabei hat er in früheren Szenen unmissverständlich formuliert, was für ihn „Normalität“ bedeutet – und übersieht, dass er genau dieses Glück längst vor Augen hätte, würde er nur seine eigenen Grenzen der Akzeptanz hinterfragen. Abraham scheitert mit Charme an den eigenen Vorstellungen – zur großen Freude der Zuschauer:innen.

Ein Regiedebüt mit Feingefühl und Tempo

Wie sich dieses emotionale Dilemma peu à peu entwirrt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Diese herausragend gespielte Komödie strapaziert die Lachmuskeln, lässt den Alltag vergessen und gibt einem gesellschaftlich relevanten Thema Raum. Mit dieser gelungenen Balance zwischen Humor und Tiefgang hat es also alles, was es für einen fulminanten Theaterabend braucht. Das Publikum bedankte sich mit tosendem Premierenapplaus – da die weiteren Termine bereits stark nachgefragt sind, wird aktuell über eine Zusatzvorstellung nachgedacht.

Mehr Informationen und Karten auf: www.stadttheater-kufstein.at

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