„Amphitryon“ am Stadttheater Kufstein
- Die Premiere am 17. Oktober 2025 im Kulturquartier Kufstein wurde mit Standing Ovations belohnt.
- Wieder zu sehen ist diese brillante Verwechslungskomödie am 24. & 26. Oktober 2025, sowie 6., 7. & 9. November 2025.
- Es spielen Bernhard Buchauer, Hildegard Reitberger, Klaus Schneider, Markus Mader, Stefanie Telser, Varina Weinert und Gunther Hölbl in der Regie von Andrea Maria Hölbl.
- Karten sind auf www.stadttheater-kufstein.at und bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein erhältlich.
Die Hardfacts im Überblick
Eine Wolke aus blauem Tüll bildet den Schauplatz, an dem sich die Götter begegnen. Merkur (charmant parlierend: Bernhard Buchauer) bittet die Nacht (elegant und eloquent: Hildegard Reitberger), ein wenig länger zu verweilen, um die Liebesabenteuer von Jupiter, dem Höchsten aller Götter, zu verschleiern. Was einst als Seitenhieb auf das Liebesleben von Ludwig XIV. gedacht war, bekommt an diesem Abend eine überraschende Aktualität.
Witze, Wahrheiten und ganz viel Tüll
Regisseurin Andrea Maria Hölbl versteht es, dem Klassiker einen modernen Dreh zu geben, ohne ihn zu verbiegen. Sie stellt Fragen nach Identität, Rollenbildern und Menschlichkeit, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren. Statt schwerer Botschaften erwartet das Publikum ein spritziges Spiel mit Bedeutung. Besonders in unserer von Konventionen und digitalen Zwängen geprägten Zeit ist diese Hommage an die Individualität aktueller denn je.
Die Reimform, die zu Beginn noch befremdlich wirken mag, geht dank des lebendigen Spiels bald in eine rhythmische Selbstverständlichkeit über. Die Figuren sind pointiert gezeichnet, die Gags sitzen und das Ensemble schöpft das komödiantische Potenzial mit sichtbarer Spielfreude voll aus.
Ein göttliches Chaos von Liebe und Eifersucht
Die Handlung? Göttlich verdreht! Jupiter (herrlich überdreht: Markus Mader) steigt auf die Erde hinunter, um Alkmene (ausdrucksstark: Stefanie Telser) zu verführen – getarnt als ihr Ehemann Amphitryon (charismatisch wie immer: Gunther Hölbl). Als dieser aus der Schlacht zurückkehrt, ist er entsetzt, dass ein Rivale ihm seinen Platz sowohl auf der Bühne als auch im Leben streitig macht. Die Doppelung setzt sich auf Ebene der Diener fort: Sosias (Klaus Schneider in Topform) zweifelt an seiner Identität und an der Treue seiner Frau Cleanthis (köstlich keifend: Varina Weinert).
Die Nacht verspricht am Ende Aufklärung, doch bis dahin steigert sich die Verwirrung mit jeder Szene. Das Publikum lacht, rätselt und erkennt: Vielleicht sind die Götter gar nicht die Schöpfer der Menschen, sondern der Mensch hat sich die Götter geschaffen, auf der Suche nach einem Sinn.
Gemeinsam die Leichtigkeit des Seins genießen
Die Bühne? Minimalistisch, aber wirkungsvoll: ein überdimensionales Bett, ein fließender Vorhang – mehr braucht es nicht für diese brillante Verwechslungskomödie. Die Götter erscheinen in Jogginganzügen, was die absurde Fallhöhe zwischen Mythos und Alltag betont. Das Kostümbild von Martin Wagner überzeugt durch subtile Eleganz: Die Herren in Schwarz scheinen mit dem Hintergrund zu verschmelzen, während die Damen in Weiß eine Verbindung mit dem Bett eingehen.
Diese Inszenierung ist nicht nur ein komödiantisches Glanzstück, sondern auch ein Beweis dafür, dass Molière bis heute funktioniert, wenn man ihn mit Fantasie und Feingefühl auf die Bühne bringt. Zwei Stunden pralles Theatervergnügen, das Tempo, Timing und Tiefgang vereint. Weitere Vorstellungen: am 24. und 26. Oktober sowie am 6., 7. und 9. November. Tickets unter www.stadttheater-kufstein.at und bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein.
