04.10.2026
Kufstein

Premierenbericht: „Träum weiter, Cowboy!“

Das Stadttheater Kufstein entführt in einen Saloon voller Träume

Ein Duft von Rosmarin lag bei der Premiere des neuesten Stückes des Stadttheaters Kufstein in der Luft: „Träum weiter, Cowboy!“ wurde am Samstagabend im Kultur Quartier Kufstein uraufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen. Geschrieben und inszeniert wurde die Westernkomödie von Varina Weinert, die in einer der Hauptrollen glänzt. Acht Spieltermine folgen.
    Die Hardfacts im Überblick
  • „Träum weiter, Cowboy!“ feierte am Samstagabend im Kultur Quartier Kufstein Premiere.
  • Die Westernkomödie wurde von Varina Weinert geschrieben und inszeniert.
  • Varina Weinert steht außerdem selbst in einer der Hauptrollen auf der Bühne.
  • Die Handlung spielt in einem liebevoll gestalteten Saloon im Wilden Westen.
  • Nach der Premiere folgen noch acht weitere Vorstellungen im Oktober.
  • Karten sind online beim Stadttheater Kufstein und bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein erhältlich.

Der Saloon wird im warmen Kerzenschein wahrnehmbar. An den Seiten werfen kleine Lampen ihr gedämpftes Licht auf schwere Stoffe, auf alte Holzmöbel und eine lange Bar. Die Dielen knarren, Gläser klirren, irgendjemand lacht. Es ist jene vertraute Welt, die man aus Western zu kennen glaubt – nur der Geruch passt nicht recht ins Bild. Statt nach Staub, Tabak und Whisky duftet es hier nach Rosmarinöl und anderen Kräutern. Schon bevor die Handlung richtig beginnt, macht „Träum weiter, Cowboy!“ damit klar, welche Art von Wildem Westen hier gemeint ist: eine liebevoll gebaute, leicht verschobene Welt, in der Bekanntes mit kleinen Absurditäten kollidiert.

Wo der Wilde Westen lebendig wird

Wie ein guter Western lebt auch „Träum weiter, Cowboy!“ von einer dichten Atmosphäre, klaren Konflikten und überzeichneten Figuren. Es geht um Gerechtigkeit und Freiheit, vor allem aber um die Suche nach Verbundenheit. Die Geschichte ist schnell erzählt: Sunny und Blossom sollen die Liebe ihres Lebens finden. Tun sie das nicht, werden sie den Saloon an Winter verlieren. In nur einer Stunde und 30 Minuten darf das Publikum in diese Geschichte aus dem Wilden Westen eintauchen. Lange Erklärungen braucht es dabei nicht. Das Stück setzt auf schräge Typen und vor allem Tempo.

Von schlagfertigen Ladies und dreisten Cowboys

Die Gestalten, die diesen Saloon bevölkern, sind schräg. Da ist zum einen Blossom, gespielt von Varina Weinert selbst. Sie bildet das Zentrum des Geschehens: eine Frau, die ihr Leben lang ihren Körper verkauft hat und noch immer auf der Suche nach Liebe ist. Weinert gibt ihr bei aller Überzeichnung auch jene Sehnsucht mit, die hinter der Komik des Abends immer wieder zum Vorschein kommt. An ihrer Seite stehen May (Mili Poblete), die nicht nur mit ihren Gesangskünsten verzückt, und June (Andrea Maria Hölbl), die sich gegen die ungehobelten Cowboys auflehnt. „Die dreisten Drei“ haben es in sich: Snowman (Bernhard Profanter), der kaum bis drei zählen kann, wird begleitet von Frost (Stefanie Telser), der sich gerne genauso groß und frei fühlen würde wie sein Chef Winter. Bernhard Buchauer gibt diesen Anführer mit einer gehörigen Portion Western-Bösewicht und einem Hauch von Sky du Mont.

Ein zweiter Handlungsstrang verfolgt den gutherzigen Sunny (Oliver Schmidt), der als Blossoms Bruder ebenfalls auf der Suche nach jemandem zum Liebhaben ist. Als Rainbow (Max Pfister) und Flame (Albin Winkler) den Saloon betreten, scheint für die beiden Geschwister plötzlich zum Greifen nahe, wonach sie so verzweifelt suchen. Kopfgeldjäger Summer (Walter Kanz) vervollständigt das Ensemble und das Figurenkabinett dieses Wilden Westens.

Herrlich böse und hoffnungslos verliebt

Realismus sucht man hier vergeblich – und das wäre auch der falsche Maßstab. „Träum weiter, Cowboy!“ spielt mit den Bildern, die wir alle vom Western im Kopf haben. Die Figuren sind größer, bunter und schriller als das Leben. Die Bösen dürfen herrlich böse sein, die Verliebten hoffnungslos verliebt und das Pferd darf Hildegard heißen. Gerade aus dieser Lust an der Übertreibung zieht der Abend seinen Humor. Was ist dieser Theaterabend also vor allem? Ein ästhetisches Vergnügen! Es wird getanzt, gesungen und gelacht – angeboten als eine kleine Flucht vor dem Alltag.

Bühnenbild, Kostüme, Musik und Figuren fügen sich zu einer Welt zusammen, die gar nicht erst behauptet, historisch genau sein zu wollen. Sie will schön sein, verspielt, manchmal kitschig und vor allem unterhaltsam. „Hier in unserem Saloon, ja da fühlst du dich so richtig wohl“, schallt es im zweiten Akt von der Bühne herab. Und ja: Dieses Stück verlangt vom Publikum im Grunde nur eines – sich forttragen zu lassen, in diese überzeichnete Welt und sich auf den Wilden Westen einzulassen, den Varina Weinert hier geschaffen hat: in einem Saloon voller Träume.

Wer diesen Saloon mit eigenen Augen sehen möchte, hat dazu am 4., 10., 11., 16., 18., 23., 24. und 26. Oktober Gelegenheit. Karten sind auf www.stadttheater-kufstein.at sowie bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein erhältlich.

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