Premiere von „Der Mann von La Mancha“ am Stadttheater Kufstein
- Am Samstag, 7. Februar 2026, feierte das Musical seine erfolgreiche Premiere am Stadttheater Kufstein.
- Das Stück basiert auf dem weltberühmten Roman „Don Quijote de la Mancha“ von Miguel de Cervantes und zählt zu den großen Klassikern des Musiktheaters.
- Die Inszenierung steht unter der Regie von Georg Anker und verbindet Theater im Theater mit einer starken Bildsprache.
- Am Ende des Abends gab es lang anhaltenden Applaus und Standing Ovations für Ensemble, Orchester und Regieteam.
- Aufgrund der sehr hohen Nachfrage wurden bereits kurz nach der Premiere zwei Zusatztermine angesetzt.
Die Hardfacts im Überblick
Ein düsterer Kerker steht am Anfang, in den Miguel de Cervantes geworfen wird. In diese Dunkelheit gilt es, Licht zu bringen – und das tut diese Inszenierung in der Regie von Georg Anker mit all ihren Facetten. 1965 uraufgeführt und mit fünf Tony Awards ausgezeichnet, wird die zeitlose Kraft dieser Erzählung in jedem Moment spürbar.
Theater im Theater
– und plötzlich gehört die Welt uns
Schon das erste Bild zeigt, wohin die Reise geht: Gefangene strömen auf die Bühne im Kultur Quartier Kufstein – vielstimmig, bedrohlich, lebendig. Ein gebautes Bild von großer Intensität. So dicht, so kraftvoll bevölkert hat man den Theatersaal im Kultur Quartier Kufstein selten erlebt. Eine große Geschichte auf kleinstem Raum – das dürfen die Zuschauer:innen hier erwarten.
Im Gefängnis indes entspinnt sich die Handlung. Eine „Gerichtsverhandlung“ unter den Gefangenen ist Tradition, um über die Neuankömmlinge zu richten. Seine Verteidigung gibt Miguel de Cervantes den Anlass, seine Geschichte zu erzählen. Der Gouverneur – eindrücklich dargestellt vom Regisseur selbst – hält das Manuskript in den Händen, in grobes Leinen gewickelt, aus dem sich die gesamte Handlung entspinnt. Wir verlassen den Rahmen und werden in die wunderbare Welt dieses „Verrückten“ Don Quijote geradezu hineingezogen.
Der Mut, den es braucht, um gegen Windmühlen zu kämpfen
Ab jetzt gibt es kein Halten mehr. Die beiden Helden schwingen sich aufs Pferd, und wir sind mitten im spanischen Land, mitten im Traum. Don Quijote (Franz Osl) ist ein Suchender: fiebrig, brennend, voller Sehnsucht. Ihm gegenüber steht sein treuer Knappe Sancho Pansa (Georg Mairhofer), dessen Herzenswärme bis ins Publikum reicht – ein wahrer Sympathieträger.
Der sprichwörtlich gewordene „Kampf gegen Windmühlen“ steht exemplarisch am Anfang des Stückes. Der Kampf ist wild, poetisch, absurd und tief berührend zugleich. Don Quijote verliert – natürlich – und gewinnt zugleich: an Zuversicht, an Hoffnung, an Glauben. Diese Inszenierung liebt ihre Figuren; die Leistung des gesamten Ensembles ist überzeugend: Ob Maultiertreiber, Beamte der Inquisition, Tiere oder Gefängniswärter – alle Rollen sind präzise ausgearbeitet und von spürbarer Spielfreude getragen. Philip Bratschko überzeugt sowohl als Tänzer als auch als Barbier mit klarer Körperspannung und markanter Erscheinung. Susanne Anker verleiht der Gastwirtsfrau Maria mit wenigen, gezielt gesetzten Momenten Präsenz und zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltig selbst kurze Auftritte wirken können. Wir erleben einen wilden Ritt durch eine Welt, in der Fantasie kein Eskapismus ist, sondern Überlebensstrategie.
Warum wir nicht aufhören dürfen zu träumen
In einer Schenke begegnet Don Quijote seiner Herzensdame Aldonza (Astrid Egger). Sie lebt in einer Welt, in der die Liebe nicht süß und leicht ist, sondern hart und schwere Arbeit. An ihrer Figur ist vor allem die Entwicklung bemerkenswert und schauspielerisch schön gezeichnet. Mit jedem Versuch Don Quijotes, seine Edeldame höher zu heben, wächst diese Figur über sich selbst hinaus – bis sie am Ende selbst daran glaubt, eine Edeldame sein zu können. Alles ist eine Frage des Betrachters, und so wird Aldonza zu Dulcinea, durch die bloße Behauptung, es zu sein.
Kirche und Familie überzeichnen sich selbst, kippen ins Groteske – großartig hier Herbert Oberhofer als Padre, Magdalena Laiminger als Nichte Antonia und Brigitte Einkemmer als Haushälterin des Titelhelden. Albin Winkler überzeugt als Dr. Carrasco mit einem präzisen Spiel. Als Verlobter der Nichte Antonia wird er zur treibenden Gegenkraft Don Quijotes. Die Musik – live, atmend, wunderbar mit dem Geschehen verwoben – trägt alles. Sie hebt die Szenen, schenkt ihnen Tiefe und Schwung. Dass die Musiker:innen unter der Leitung von Thomas Scheiflinger dabei das ganze Stück über sichtbar auf der Bühne präsent sind, verstärkt diese Atmosphäre spürbar.
Was das Herz erkennt, wenn die Augen versagen
Und dann eine Frage, die sich immer wieder aufdrängt: Warum lasst ihr mich nicht weiterschlafen? Weiter träumen. Immer wieder wird das Publikum aus der Handlung herausgerissen und mit der Gefängnis-Realität konfrontiert. Hier liegt das Momentum des Abends. Don Quijote ist nicht verrückt. Verrückt wäre es, nicht zu träumen. Nicht an Güte, Schönheit und Veränderung zu glauben. Spätestens beim „Goldhelm des Mambrino“, so der Titel eines der Musikstücke, den plötzlich alle als solchen anerkennen, wird klar: Der Wahnsinn Don Quijotes ist ansteckend – und er tut gut.
„Was wollt ihr von mir?“, fragt Aldonza Don Quijote. Als Dulcinea begreift sie es dann. Zum ersten Mal steht da ein Mann, der nichts von ihr will. Der sie sieht. Wirklich sieht. Und woran erkennt man einen Menschen? Nicht an Äußerlichkeiten oder Besitztümern – sondern an seinem Herzen. Ob Don Quijote gewinnt oder verliert, ist nebensächlich. Für ihn zählt nur eines: dem eigenen Ruf zu folgen.
Was bleibt, ist die Botschaft und die große Frage: Wer ist hier verrückt? Vielleicht ist es der größte Wahnsinn, die Welt so zu sehen, wie sie ist – und nicht, wie sie sein sollte. So drückt es Don Quijote gegen Ende des Stückes aus. Einer von vielen Sätzen, die in Erinnerung bleiben. Der Schlusspunkt des Stückes wird nicht verraten, nur so viel: Auch wenn Menschen sterben, leben ihre Träume weiter. So wird Don Quijote unsterblich. Dieser Abend ist eine Hymne auf das Leben. Und auf den Mut, sich lächerlich zu machen – für eine bessere Welt. Und ja: Man möchte weiterträumen. Unbedingt.
Das Musical über Träume, Idealismus, Mut und die Kraft der Fantasie – basierend auf Miguel de Cervantes’ weltberühmtem Roman „Don Quijote de la Mancha“ – ist bis Ende März im Kultur Quartier Kufstein zu sehen. Aufgrund der schon jetzt hohen Nachfrage werden zwei Zusatztermine am Samstag, 7.März 19:30 Uhr sowie am Sonntag, 15 .März 18:00 Uhr angesetzt.
